14. Mai 2006 19:30 in Mariä Himmelfahrt, Köln
26. Mai 2006 20:00 Uhr in der Marktkirche zu Halle an der Saale

G. F. Händel
Das Alexanderfest oder:
Die Macht der Musik


in der Fassung von W. A. Mozart



Kritik der Mitteldeutschen Zeitung zum Konzert in Halle

Händel im klassischen Gewand
Das "Alexander-Fest"


Von ECKEHARD PISTRICK

Halle/MZ. Es gibt Konzerte, in denen eine Einzelleistung dem Eindruck eines ganzen Musikereignisses schadet. Dies war leider beim Gastspiel des Rheinischen Kammerchores aus Köln, der in der Marktkirche Händels Alexander-Fest intonierte, der Fall. Aber die Sopranistin Almut Krumbach mochte mit ihrem affektierten, opernhaften Gesang überhaupt nicht zu der sonst hervorragenden Aufführung der Kölner unter Wolfgang Siegenbrink passen.

Schon ihren ersten Einsatz verpatzte die Sopranistin und verlegte sich im Folgenden darauf, die Tempi ins Unerträgliche zu dehnen. Während Siegenbrink mit Chor und Orchester den tänzerischen Gestus in Händels Kantate einfing, bot Krumbach klangliche Schwere, verhauchte Koloraturen und Schleifer, die andeuteten, dass jeder Spitzen-Ton für sie einen Kraftakt dartellte. Von stimmlicher Verführungskraft, wie sie ihre Rolle als intrigante Muse erfordert hätte, war sie weit entfernt, von ihrem Erfahrungsschatz im Bereich der Barockmusik war nichts zu hören.

Tenor als Glücksgriff

Die beiden anderen Solisten erwiesen sich hingegen als Meister ihres Fachs. Heikki Kilpeläinen verfügte über einen gleichermaßen voluminösen wie markanten Bass, der sich mühelos über Händels orchestrale Heldenmusiken erheben konnte. Auch der strahlende lyrische Tenor Bernhard Schneider erwies sich als Glücksgriff. Beide brillierten in einer selten zu hörenden, von Mozart bearbeiteten Fassung des Händel-Werks um antiken Größenwahn und die Magie der Musik.

So hatte man Gelegenheit, ein barockes Werk im klassischen Klanggewand zu erleben. Der volle Klang des klassischen Orchesters — noch überhöht durch die weit tragende Akustik des Kirchenraums — lief aber bei Slegenbrink nie Gefahr, in Statik oder Monumentalität zu erstarren. Im Gegenteil: Chor und Orchester vollzogen das Schwingen und die Akzente in Händels Musik im Einklang nach. Der wohltuend frische und zupackende Chorklang des Rheinischen Kammerchors verlieh den Kommentaren zum antiken Geschehen große Suggestivkraft.

Licht und Schatten

Immer wieder war der unbedingte Gestaltungswille herauszuhören, wenn etwa der Fall der Perser mit dramatisch übereinander geschichteten Einsätzen beschworen wurde. Selbst das "Lobgeschrei" wurde in der Interpretation aus Köln nicht zu einer Massenveranstaltung, sondern zu einer Demonstation von Klangkultur und rhythmischer Präzision. So verließ man die Aufführung mit der Gewissheit, eine Interpretation mit Licht und Schatten erlebt zu haben.