Donnerstag, 1. November 2007, 19:30 Uhr, Altenberger Dom
Johann Sebastian Bach: h-moll-Messe
Silke Stapf • Rena Kleifeld • Bernhard Schneider • Raimonds Spogis
Consortium Musica Sacra Köln
Rheinischer Kammerchor Köln
Wolfgang Siegenbrink, Dirigent
Konzertkritik


Generalprobe am 30.10.2007 im Altenberger Dom. — Foto: Kurt J. Meyer

Selten erklang im ausverkauften Dom zu Altenberg die große H-Moll-Messe von Bach in so ergreifenden Tönen.

Schon der Beginn, das "K" in Kyrie war wie ein dunkler Blitz erklungen, zeigte dann im Verlauf der Fugen den sehr fein und vor allem LEISE beginnenden Chor im Zusammenspiel mit dem Orchester, ganz fabelhaft! Die Solisten Silke Stapf, Sopran, und Rena Kleifeld, Alt, trugen ein inniges Christe vor, schön strukturiert und lebendig.

Der erste Auftritt der Trompeten und der Pauke im Gloria (Orchester "Consortium Musica Sacra Köln") leiteten einen schwungvollen und mitreißenden Gesang ein, der sowohl durch Textverständlichkeit als auch durch Koloratursicherheit ("et in terra pax") überzeugte.

Im folgenden Ablauf gestalteten Chor und Orchester unter der Leitung von Wolfgang Siegenbrink sehr differenziert die einzelnen Messtexte. Einzig in der a-capella Stelle der "Cum Sancto"-Fuge klapperten die Stimmen etwas, die Akustik in Altenberg ist auch nach der Restaurierung problematisch geblieben. Jedoch machte der rasend schnelle Satz, der vom Chor mit Begeisterung vorgetragen wurde, alles wieder wett.

 
Sehr schön die folgende große Ruhepause vor dem Credo (auch später vor dem Sanctus); zeigt die Strukturierung doch die Zusammenhänge der einzelnen Sätze auf. Im  Credo gefielen ausnehmend gut das zweite ("Patrem omnipotentem"), mitreißend und packend, kein Jota schwankte das Tempo! Und dann: der musikalische Höhepunkt UND liturgische war in den drei Chören "Et incarnatus", "Crucifixus" und "Et resurrext" erreicht. Einen derart feinen ersten Choreinsatz im Incarnatus oder dramatischen im Crucifixus oder im Ressurexit hört man nicht oft. Ein Lob auch für die Männer, "et iterum venturus" war einfach glaubhaft!
 
Der große Schlusschor "Confiteor" hatte seinen ersten Patzer, was an diesem Abend die Ausnahme sein sollte, die sonst fabelhaft singenden Tenöre waren in ihrem augmentierten Thema einen Takt zu früh, so etwas hört aber wirklich nur der erfahrene Zuschauer!
 
Sanctus und Pleni (hier mit kleinen Wacklern, verursacht durch eine zu forsche Continuogruppe) bestachen durch große Lebendigkeit, Präzision und Freude im Vortrag; sowieso muss einmal erwähnt werden, dass diesem Rheinischen Kammerchor aus Köln angesehen werden kann, dass er mit Begeisterung singt.
 
In großer Ruhe interpretierte Bernhard Schneider  mit der Flötenkollegin Eva Morsbach das Benediktus.

Ein weiterer Höhepunkt war dann das Agnus Dei, kaum lässt es sich dramatischer denken.

 
Großer Applaus allen Beteiligten für diese gültige Aufführung!

Heinrich Wallraven, Bergisch Gladbach