Philharmonie Köln, 2. November 2008, 20 Uhr
Johannes Brahms: Ein deutsches Requiem
Edward Elgar: The Spirit of England (Dt. Erstaufführung)
Stefanie Smits, Sopran • Thomas Laske, Bariton
Staatsorchester Rheinische Philharmonie Koblenz
Kritiken der Kölnischen Rundschau und des Kölner Stadtanzeigers, TV-Trailer



Konzert-Empfehlung der WDR Lokalzeit

Kritik der Kölnischen Rundschau:
Trauer ohne falsches Pathos
Rheinischer Kammerchor präsentierte Werke von Elgar und Brahms
Von CURT J. DIEDERICHS
Edward Elgar ist neben Henry Purcell und Benjamin Britten der einzige englische Komponist von internationalem Renommee. Eingang ins Konzert-Repertoire fanden allerdings nur seine Orchesterwerke, seine Chorwerke hingegen sind außerhalb der britischen Insel so gut wie unbekannt. So erlebte seine Kantate “The Spirit of England” erst jetzt, 91 Jahre nach ihrer Uraufführung, in der Philharmonie ihre deutsche Erstaufführung. Der Rheinische Kammerchor Köln nahm sie als Ergänzung zum Deutschen Requiem von Johannes Brahms ins Programm seines Herbstkonzerts.
Die dem Chorwerk zugrunde liegenden drei Gedichte von Laurence Binyon sind eine Art Requiem für die Opfer des Ersten Weltkriegs. Elgars Musiksprache greift diesen Gedanken auf und reflektiert ihn auf beeindruckende Weise. Der Rheinische Kammerchor verhalf dem in seiner Aussage erschütternden Werk, unterstützt vom Staatsorchester Rheinische Philharmonie Koblenz, zu einer würdevollen Wiedergabe (in der Originalsprache): präzise, durchsichtig und ohne falsches Pathos.
Das Deutsche Requiem von Johannes Brahms gehört zumindest hierzulande zu den Standardwerken, die der Trauer und dem Trost der Hinterbliebenen gewidmet sind. Es ist keine Totenmesse, sondern wie Elgars Chorwerk Trauermusik, die hier auf Textstellen der Heiligen Schrift basiert. WoIfgang Siegenbrink ließ ihr eine ehrfurchstvolle Wiedergabe angedeihen — mit vielleicht etwas zu getragenen Tempi.
Der Chor hatte die tröstenden Worte in wahrsten Sinn des Wortes beherzigt, sang sie diszipliniert und wortverständlich dank guter, professionell geschulter Stimmen.
Leider erreichte das Orchester nicht die gleiche subtile Klangqualität, was auch den beiden Gesangssolisten zu schaffen machte. Die kurzfristig eingesprungene Sopranistin Stefanie Smits fand in der Arie “Ihr habt nun Traurigkeit” zu überzeugender Verinnerlichung und auch der Bariton Thomas Laske hinterließ in den ihm zugedachten Passagen einen guten Eindruck. Ein dem Allerseelentag angemessenes Konzert, das leider nur wenig Zuspruch fand.

Kritik des Kölner Stadanzeigers:
Kölner Philharmonie: Rheinischer Kammerchor — In der Musik können Tränen und Trauer auch Trost spenden, und zu Allerseelen folgte in der Philharmonie die Probe aufs Exempel: Mit Elgars "The Spirit of England" und Brahms “Deutschem Requiem”, gespielt und gesungen vom Staatsorchester Rheinische Philharmonie Koblenz, dem Rheinischen Kammerchor Köln und den Solisten Stefanie Smits (Sopran) und Thomas Laske (Bariton). Aufopferungsvoll dirigiert von Wolfgang Siegenbrink, hinterließen beide Werke ob ihrer emotionalen Kraft nachhaltige Eindrücke.
Elgars halbstündiges Werk entstand als Reflex auf die Schrecken des Ersten Weltkriegs. Es basiert auf drei Gedichten von Laurence Binyon, die Elgar in seiner typischen herb-noblen Romantik zu vaterländischer Emphase gestaut hat. Chor und Sopransolo besingen den "4. August", die "Frauen" und die "Gefallenen", und weil es die Musik so ehrlich meint, mag man hierorts den Gram über Motivation und Anlass zur Komposition unterdrücken.
Stefanie Smits loderte mit ausdruckssattem Sopran wie eine Flamme über Elgar und schenkte das wesentliche Ereignis auch bei Brahms. Ihre große Szene "Ihr habt nun Traurigkeit" geschah nun nicht nur als kompositorisches, sondern auch als interpretatorisches Zentrum des Stücks. Der Chor investierte alle erdenkliche Inbrunst, wirkte stimmqualitativ aber labil und in Absicht und Realisation der Wiedergabe seltsam sprunghaft. So wurde eine vorbildliche Fugentransparenz erst in "Herr, du bist würdig" erreicht, so hatte Festig- und Genauigkeit der Intonation ihre Grenzen.
(G.B.)