Kritik der Kölnischen Rundschau vom 22.4.2008

Philharmonie Köln, 20. April 2008, 20 Uhr
Mendelssohn-Bartholdy
»Elias«




Kein Regen für die Israeliten
Rheinischer Kammerchor mit Mendelssohns "Elias"
von Matthias Corvin - Kölnische Rundschau 22.4.2008
Alle Kräfte seiner Sänger hatte er mobilisiert und sie zu einer leidenschaftlichen Aufführung inspiriert: Für Felix Mendelssohn Bartholdys "Elias" erntete der Rheinische Kammerchor unter Leitung von Wolfgang Siegenbrink beim fünften Chorkonzert in der Philharmonie großen Beifall. Vielleicht lag es auch daran, dass Mendelssohn dem Chor in seinem zweiten Oratorium über weite Strecken die Rolle eines Erzählers zuteilt und ihn sogar Rezitative singen lässt. Das forderte die Sängerinnen und Sänger natürlich ganz besonders. Kräftige Chorsätze und weiche Lyrik hielten sich daher die Waage. Die Balance war ausgeglichen, und das Doppelquartett im ersten Teil erklang in einer ausgereiften Wiedergabe. Jederzeit merkte man dem Chor an, wie viel Spaß ihm der "Elias"bereitete. Das 1846 in Birmingham uraufgeführte Oratorium nach dem alttestamentarischen ersten Buch der Könige (Kapitel 17 bis 19) besitzt ja auch großen dramatischen Atem. Der Komponist schreitet darin fast in die Richtung einer Chor-Oper. Den mitunter furiosen Volksszenen stehen vier Solisten gegenüber, die ganz unterschiedliche Rollen gestalten. Allen voran sang Heikki Kilpeläinen (Bass) einen milden Elias, der eher durch Zurückhaltung denn Stimmgewalt auffiel. Ausdrucksvoll, auch vonseiten des bestens aufgelegten Neuen Rheinischen Kammerorchesters, geriet die zentrale Arie "Es ist genug".
Ein "Knabe" als Lichtblick
Wandlungsfähig und mit schönem Stimmmaterial gefiel daneben Rena Kleifeld (Alt), die besonders ihre Partie der Königin lebendig gestaltete. Adréana Kraschewski (Sopran) und Bernhard Schneider (Tenor) sangen ihre Rollen recht angenehm. Ein Lichtblick war der "Knabe" Malte Manuel Nußberger, der vom Balkon aus nach dem Heil bringenden Regen Ausschau hielt. Der war den abtrünnigen Israeliten verwehrt worden, den Kölnern blieb er an diesem Sonntag — zum Glück — ebenfalls fern. Vielleicht ein Grund für mehrere gelichtete Reihen im Konzertsaal …