J. S. Bach: Johannespassion
Samstag 27.3.2010 - 19 Uhr Köln Trinitatiskirche
Sonntag 28.3.2010 - 16 Uhr Kloster Steinfeld


Die altbekannte Geschichte packend und mitreißend erzählt, konzentriert gestaltet und mit viel Elan musiziert in zwei sehr unterschiedlichen Kirchenräumen. Zwei umjubelte Aufführungen, die beim Publikum tiefen Eindruck hinterließen. (Kurzkritik und Fotos: KJM)


Kritiker Volker Fries war mit Interpretation und Aufführungspraxis nicht recht einverstanden,
zollte Chor und Chorleiter am 30.3.2010 in der Kölnischen Rundschau aber Lob:
„Dass hier … bei der Einstudierung in puncto Präzision und Intonation große Sorgfalt gewaltet haben muss, registrierte man mit Bewunderung.”


http://www.euskirchen-online.ksta.de/html/artikel/1264186022217.shtml
Ein ergreifendes Konzerterlebnis
Von Claudia Hoffmann, 30.03.10, 17:57h
Dem Rheinischen Kammerchor gelang es im Zusammenspiel mit dem Neuen Rheinischen Kammerorchester und fünf hervorragenden Solisten, die ganze Schönheit der Johannes-Passion auferstehen zu lassen.

Bis auf den letzten Platz gefüllt waren die Reihen in der Basilika, wo die Johannes-Passion geboten wurde.

KALL-STEINFELD - War es die Kunstfertigkeit eines großen Komponisten, die minutiöse Perfektion eines gewaltigen musikalischen Werkes oder die vollendete Darbietung von traditionellen Chorälen, erlesenen Arien und turbulenten Volksszenen, die sich in der Ergriffenheit des Publikums am Sonntagnachmittag in der Steinfelder Basilika widerspiegelte? Vermutlich eine Kombination aus alledem, denn dem Rheinischen Kammerchor unter der Leitung von Wolfgang Siegenbrink gelang es im Zusammenspiel mit dem Neuen Rheinischen Kammerorchester und fünf hervorragenden Solisten, die ganze Schönheit der Johannes-Passion auferstehen zu lassen.
Sie ist neben der Matthäus-Passion die einzige vollständig erhaltene, gleichzeitig auch die früheste der heute bekannten Passionsmusiken von Johann Sebastian Bach. Der Passionsgeschichte, also dem biblischen Bericht von Leiden und Tod Jesu Christi, kam aufgrund ihrer zentralen Bedeutung innerhalb der christlichen Theologie schon immer eine besondere Rolle im Gottesdienst zu.
Die Passionen Bachs stehen in der Tradition der Werke, die den Bibeltext wortgetreu vertonen. Anders als die Synoptiker stellt das Evangelium des Johannes die göttliche Natur Jesu besonders in den Vordergrund.

Heimkehr zum Vater
Die Passion erscheint daher stärker im Licht einer Heimkehr des Gottessohns zu seinem Vater als der irdischen Qualen des Menschen Jesus von Nazareth. Der erste Teil berichtet von Verrat und Gefangennahme Jesu (1. Akt) sowie der Verleugnung durch Petrus (2. Akt). Der zweite Teil ist wesentlich länger und erzählt von den Verhören und der Verurteilung Jesu durch Pontius Pilatus (3. Akt), von Kreuzigung und Tod (4. Akt) sowie schließlich vom Begräbnis (5. Akt).
Mit edel timbriertem Bass und schlafwandlerischer Koloratur gestaltete Kammersänger Hans Sotin die Jesusworte angemessen würdevoll und wahrte selbst in höchster Dramatik die Balance zwischen technischer Disziplin und Expressivität. Auch „Evangelist” Markus Francke und „Pilatus” Thomas Laske meisterten mit ihren ausdrucksstarken Stimmen mühelos alle Hürden der zum Teil sehr kniffligen Rezitative. Großes Lob verdienten auch die Solistinnen Hyuna Ko (Sopran) und Rena Kleifeld (Alt).
Doch nicht nur die exzellenten Einzelleistungen der Solisten prägten den Konzertnachmittag. Der überaus „wohltemperierte” Gesamtklang, um mit den Worten Bachs zu sprechen, entstand vielmehr aus dem Zusammenwirken eines vorzüglich musizierenden Rheinischen Kammerorchesters mit seinem homogenen, dichten Klangbild und einem durch Verve überzeugenden Chor, der mit beinahe greifbarer Wucht die Macht des Volkes personifizierte, das lautstark die Kreuzigung Jesu fordert und dann am Ende einen tiefen Frieden symbolisiert: „Ruht wohl, ihr heiligen Gebeine, die ich nun länger nicht beweine.”