Kritik Kölnische Rundschau: hier.
Kritik Kölner Stadt-Anzeiger: hier.


Dienstag, 26. Januar 2010 Kölner Stadt-Anzeiger

Gruß an die teure Halle
Kölner Chöre boten Operngala
Von MATTHIAS CORVIN

Ein gutes Rezept für eine Operngala: Auf nur drei Opern beschränkte Dirigent Wolfgang Siegenbrink das Kölner Chorkonzert der Philharmonie - und bot so einen konzentrierten Einblick in alle Werke, ohne die Werke zum Potpourri herabzustufen. Größere Szenen aus Wagners "Parsifal" und "Tannhäuser" sowie Mascagnis "Cavalleria Rusticana" erklangen in satten zweieinhalb Stunden.

Dabei hatten die beiden Solisten Hans Sotin (Bass) und Stefanie Smits (Sopran) ebensolchen Anteil wie KölnChor und Rheinischer Kammerchor. Besonders hervorgehoben wurden auch die sinfonischen Klänge dieser Opern durch die Bochumer Symphoniker. Sie durften neben dem "Parsifal"-Vorspiel auch noch die "Tannhäuser"-Ouvertüre und das Intermezzo der "Cavalleria" meistern. Das gelang nicht übel, verfügt das Ensemble doch über einen opulenten Klang besonders in den geforderten Blechbläsern.

Die Ausschnitte aus dem ersten Akt hatten ihre Höhepunkte in der Verwandlungsmusik und den Chören im Gralstempel. Da konnten die Sänger ihre Muskeln spielen lassen, auch wenn die leisen Töne allzu oft zerbrechlich wirkten. Manch unreiner Einsatz war jedoch eher ein Beweis für die anspruchsvoll gewählten Stücke. Die Chöre hielten sich wacker, trumpften bei Mascagni und im "Tannhäuser" noch mehr auf.

Diesen Eindruck unterstützte auch Hans Sotin, der ein gutmütiger und sonorer Landgraf, aber kein besonders eindringlicher Gurnemanz ist. Stimmlich einwandfrei, aber viel zu brav sang er die Gralserzählung. Gerade in einer konzertanten "Parsifal"-Aufführung hätte sie spannender sein können. Frischer wirkte da Stefanie Smits mit Santuzzas Arie "Voi lo sapete" und Elisabeths "Dich, teure Halle".


Donnerstag, 28. Januar 2010 Kölner Stadt-Anzeiger

OPERNGALA
Rigoros dem Glauben folgen

Wenn Konzertchöre einen Opernabend ankündigen gibt es meist eine bunte Mixtur. Anders jetzt in der Philharmonie. Wolfgang Siegenbrink, Leiter des KölnChors und des Rheinischen Kammerchors, verzichtete bei seiner "Operngala" auf eine solche Hit-Parade. Er stellte aus drei Opern von Wagner und Mascagni jeweils große Szenen in einen Zusammenhang.

Die erste Konzerthälfte füllten Auszüge aus dem "Parsifal"-Anfang, das bot genug Zeit, in Wagners mittelalterlich-mystische Gralsfeier abzutauchen. Ein Dorf auf Sizilien zeigte der Zusammenschnitt aus Mascagnis Einakter "Cavalleria rusticana". Da steigern Kirchgänger das Drama einer verlassenen, also nach frommer Vorstellung "entehrten" Frau. Und im 2. Akt "Tannhäuser" zeichnet sich schon beim Einzug der Gäste auf der Wartburg der "Sängerkrieg" ab. So trat überraschend klar eine durchaus ähnliche Dramaturgie für diese Opernchöre ans Licht: Sie repräsentieren eine vom jeweiligen Glauben geprägte, enge Sozialgemeinschaft, die rigoros über verinnerlichte Gebräuche und Ehrbegriffe wacht.

Die Macht der Masse geriet jetzt gewaltig durch die überdimensionierte Chorbesetzung mit etwa 150 Stimmen. Siegenbrink leitete seine gut vorbereiteten Sänger und Sängerinnen mit sicherer Hand. Sie schickten auch manches fromme Piano gen Himmel. Mehr Raum aber gab er dem Orchester, den versierten Bochumer Symphonikern. Sie schufen in Wagners weit gespannten Vorspielen Atmosphäre für die Musikdramen.

Der mit Kölner Chören vertraute Kammersänger Hans Sotin gab noch einmal, jetzt sehr abgeklärt, seine Paraderolle als altgedienter Kämpe Gurmemanz. Eine Entdeckung war die junge Stefanie Smits, ein jugendlich-dramatischer Sopran für Wagners Elisabeth, mit starken Mezzofarben für Mascagnis traurige, gebrochene Santuzza. (MK)