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Kölnische Rundschau:

Mächtiges Requiem
Drei Chöre führten Giuseppe Verdis Werk in der Philharmonie auf

Ein opulentes Bild bot schon die Aufstellung mit über 220 Mitwirkenden. Drei Chöre füllten das Philharmonie-Podium: KölnChor, der Rheinische Kammerchor Köln sowie der Philharmonische Chor Nürnberg. Im Rund saß das um etliche Instrumente verstärkte Neue Rheinische Kammerorchester. Auf dem Programm stand ein Klassiker hochromantischer Vokalmusik, Verdis Requiem (1874), von Zeitgenossen als "Oper im Kirchengewande" verhöhnt.

Mit bildhafter Rhetorik und deutlicher Artikulation hatte Wolfgang Siegenbrink die Vokalisten auf das Werk eingeschworen. Zum Höhepunkt geriet das umfangreiche "Dies irae" mit seinen rasanten Fresco-Stimmungen, den lyrischen Momenten und der warmherzigen Steigerung im "Lacrymosa". Klangvoll sangen an diesem Abend die Männerstimmen. Doch auch insgesamt war der Eindruck ausgeglichen und mitreißend.

Das Solistenquartett hob mehr die liedhaften als die dramatischen Farben der Partitur hervor. Der schlank singende Bariton Thomas Laske erfüllte gleich das "Mors stupebit" mit großer Würde, und die Sopranistin Adréana Kraschewski gestaltete am Ende ein stimmlich sicheres und wohl dosiertes "Libera me". Die gute Mitte füllten Rena Kleifeld (Alt) und Markus Francke (Tenor).

Das Neue Rheinische Kammerorchester betonte die unsentimentalen Seiten des italienischen Komponisten. Großer Jubel im Saal und für das "Netzwerk Kölner Chöre" ein verdienter Erfolg im 20. Jubiläumsjahr. (mco)




Kölner Stadt-Anzeiger:

Chöre wie apokalyptische Reiter
KLASSIK Siegenbrink begeistert in Köln mit dem Verdi-Requiem

Aus der Stille heraus werden die ersten Worte "Requiem aeternam dona eis" von den rund 180 Sängerinnen und Sängern mehr geraunt als gesungen. Ausdruck entsteht hier nicht durch auftrumpfende Klangmassen, sondern durch deren hochkonzentrierte Zurückhaltung. Zu Beginn von Verdis "Messa da Requiem" gelingt dem "Rheinischen Kammerchor" und dem "KölnChor" Fantastisches. Unterstützt durch den "Philharmonischen Chor Nürnberg", schlagen die Interpreten unter Wolfgang Siegenbrink die Kölner Philharmonie sofort in Bann.

Die dramatischen Qualitäten des Werks setzt der Dirigent gekonnt in Szene. Das anfängliche Zögern bietet den besten Hintergrund für die kurz darauf furios dreinfahrende Sequenz "Dies irae". Schlagartig entfesseln die Chormassen jetzt ihre volle Kraft, als wären sie die apokalyptischen Reiter. Das "Neue Rheinische Kammerorchester" hat diesem Sturm wenig entgegenzustellen. Doch das Ungleichgewicht ist einzig diesen wiederkehrenden Einbrüchen des Jüngsten Gerichts geschuldet. Sonst hält Siegenbrink den zu mächtigen wie leisen Tönen fähigen Chor in bestem dynamischen Gleichgewicht mit Orchester und Solisten.

Im flehenden Duo "Recordare, Jesu pie" schmiegen sich Sopran (Adréana Kraschewski) und Mezzosopran (Rena Kleifeld) zärtlich aneinander. Dem einheitlich lyrischen Ton und hellen Timbre des Solisten-Ensembles passt sich der feine Tenor von Markus Francke ebenso gut ein wie der im "Lacrymosa" trotz tiefer Lage aus dem Unisono der Chor-Bässe herausstrahlende Solobass von Thomas Laske. Nach dessen Arie "Confutatis maledictis" darf der Chor einmal mehr kometenhaft aufglühend die Schrecken am Tag des Zorns beschwören.

Die Pause erwies sich für die Interpreten eher als störende Unterbrechung - die Anspannung war zunächst einmal dahin. Beim "Offertorium" wackelten die Soli der Streichergruppen, und das Frauen-Duett des "Agnus Dei" brauchte einen zweiten Anlauf. Dass das "Hosanna in excelsis" zu krachledern geriet, hat indes mehr damit zu tun, dass Verdi hier seine Passion für die Oper nicht zurückhalten konnte. Dagegen gestaltete der Chor das ruhige Tutti-Unisono "Lamm Gottes" als eine der eindrücklichsten Stellen des Werks: Bravos und Ovationen für alle Beteiligten. (RaN)