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Sonntag, 28. Februar 2016, 20 Uhr
Kölner Philharmonie


Antonín Dvořák: Stabat Mater
op. 58 B 71 für Soli, Chor und Orchester

Melanie Maennl, Sopran
Rena Kleifeld, Alt
Markus Francke, Tenor
Thomas Laske, Bass
Berner Kammerchor
(Einstudierung: Jörg Ritter)
Rheinischer Kammerchor Köln
Bochumer Symphoniker
Wolfgang Siegenbrink, Dirigent



Kritik des Kölner Stadt-Anzeigers:

KÖLNER PHILHARMONIE
Tiefe Empfindung für Dvorák

Das Schöne und Bewegende an Dvoráks „Stabat mater“-Vertonung ist ihre Gesanglichkeit, ihr melodischer Kontrapunkt, der auch in den großen polyphonen Wallungen des ersten Abschnitts und der „Amen“-Fuge zugegen ist.

Unter Wolfgang Siegenbrink bereiteten nun Rheinischer Kammerchor, Berner Kammerchor und Bochumer Symphoniker dem Werk in der Philharmonie eine würdige, von tiefer Empfindung getragene Wiedergabe, bei der man kaum je den Eindruck hatte, hier sängen Laienchöre. Es war genau gearbeitet worden — klare Stimmführung, feine dynamische Nuancen, gute Stimmqualität. Und das Orchester, das bei seinen Kölner Assistenzen nicht immer vor Ehrgeiz überfließt, war jetzt voll bei der Sache.

Bei den Solisten gebührt die Palme der stimmschönen, hochmusikalischen und ausdrucksintensi•ven Altistin Rena Kleifeld, ihr am nächsten kam Markus Francke (Tenor) mit erlesener Lyrik. Die frei agierende Sopranistin Melanie Männl und der etwas trockene Bass Thomas Laske ergänzten das Quartett mit Anstand. (GB)


Kritik der Kölnischen Rundschau:

Geschmeidiger Untergrund für die große Form
Dvoráks „Stabat mater“ mit dem Rheinischen Kammerchor Köln und vielen Gästen

Unzählige Komponisten, von Pergolesi bis Rihm, hat die Vertonung des „Stabat mater“ gereizt, eines lateinischen Textes aus dem 13. Jahrhundert. Eines der schönsten Beispiele ist vielleicht das von Antonin Dvorák für Soli, Chor und Orchester (op. 58), das jetzt in der leider nur etwa halb gefüllten Philharmonie zu eindrucksvoller Aufführung gelangte.

Dirigent Wolfgang Siegenbrink hatte seinem Rheinischen Kammerchor Köln den Berner Kammerchor (Einstudierung: Jörg Ritter) zur Seite gestellt, so dass eine stattliche Anzahl von Stimmen für feine Ausleuchtung und kraftvollen Glanz sorgen konnte. Die Sängerinnen und Sänger beherrschten ihre Partien mustergültig und brachten die innige Emphase Dvoráks jederzeit ausdrucksstark zum Klingen. Dass die Männerstimmen deutlich in der Unterzahl waren, fiel freilich hier und da ins Gewicht, wenn auch nicht gravierend.

Der besondere Reiz dieses Werkes liegt wohl auch darin, dass der Komponist einen Teil seiner Genialität auf die Instrumentierung des groß besetzten Orchesters verwandte. So war es eine glückliche Entscheidung, dass Siegenbrink auf ein so hochkarätiges Ensemble wie die Bochumer Symphoniker setzte. In allen Gruppen hervorragend besetzt, lieferten sie vom mysteriösen Beginn bis zum triumphalen Abschluss den geschmeidigen Untergrund, auf dem Chor und Solisten blühen und zu großer Form auflaufen konnten.

Melanie Maennl (Sopran), Rena Kleifeld (Alt), Markus Francke (Tenor) und Thomas Laske (Bass) gestalteten ihre Partien mit starker Intensität, technisch einwandfrei. Siegenbrink leitete das Ganze mit großer Umsicht und klarem Durchblick. Er entwickelt sich wohl derzeit als Dirigent und Chorleiter zu einer „Kölner Größe“, denn auch am kommenden Sonntag ist er mit dem „Deutschen Requiem“ von Brahms (mit anderen Ensembles und Solisten} wieder in der Philharmonie im Einsatz. (fan)
Kritik von Wolf-Rüdiger Spieler, enthalten in Originalartikel zum Thema
„Kölns außergewöhnliche Chormusikszene“

In der Philharmonie begeisterte Dirigent und Organist Wolfgang Siegenbrink

Werk von Dvořák für Chor und Orchester
In der Passionszeit gab es in der Kölner Philharmonie ein weniger bekanntes und zugleich sehr klangschönes Chorwerk zu hören: mit dem Stabat Mater op. 58 B 71 für Soli, Chor und Orchester von Antonín Dvořák stand am 28. Februar ein abendfüllendes Werk auf dem Programm, das zu den lohnenden, aber selten gespielten oratorischen Kompositionen zählt.

Wolfgang Siegenbrink setzt auf Balance zwischen Chor und Orchester

Für dieses Konzert hatte der Rheinische Kammerchor seine langjährige Kooperation mit dem Berner Kammerchor (Einstudierung: Jörg Ritter) fortgesetzt, sodass die knapp einhundert Sängerinnen und Sänger beider Chöre unter dem Dirigat von Wolfgang Siegenbrink ein klangvoller Partner für die Bochumer Symphoniker waren. Siegenbrink ist in Köln nicht nur als hervorragender Kirchenmusiker und Organist bekannt, man kennt ihn auch als kundigen und kommunikativen Orchester- und Chordirigenten. Eine Expertise, die er neben seinen umfangreichen Musikstudien in Köln und Wien durch seine langjährige Tätigkeit an der Bonner Oper, beim Beethovenorchester, beim Staatsorchester Rheinische Philharmonie Koblenz und in zahlreichen Meisterkursen, z.B. bei der Stuttgarter Bach-Akademie erworben hat. So stand die Kölner Aufführung des Stabat Mater unter souveräner Leitung, und es gelang Siegenbrink eine außergewöhnlich gute Balance zwischen den beiden Klangkörpern Chor und Orchester.

Die beiden Chöre überzeugten dabei durch eine sehr saubere Intonation der teilweise komplizierten harmonischen Verläufe Dvořáks und nutzten, was in der Philharmonie immer ein Wagnis ist, eine breite dynamische Palette vom zarten Pianissimo bis zum starken Forte. Die Bochumer Symphoniker lieferten eine professionelle und solide Leistung ab und begleiteten Chöre und Solisten sensibel. Ein Leistung, die neben Siegenbrinks Dirigat auch dem engagierten und kompetenten Konzertmeister der Bochumer geschuldet war. Siegenbrink wählte fließende und schwingende Tempi, die das Musizieren angenehm beflügelten ohne hastig zu wirken. Das Solistenquartett war mit Melanie Maennl (Sopran), Rena Kleifeld (Alt), Markus Francke (Tenor) und Thomas Laske (Bass) ebenfalls klangschön und kompetent besetzt. Ein besonderes Lob für ihren warmen, strahlenden Klang verdienten sich die beiden Solistinnen, während Tenor und Bass im großen Rund der Philharmonie gelegentlich ein wenig Mühe hatten, sich gegen das volle Orchester zu behaupten.
Kritik von Dr. Olaf Zenner auf Operapoint.com
Die Redaktion von OPERAPOINT hat sich vorgenommen, mehr Konzerte zu besprechen, die entweder für die betreffende Stadt wichtig oder darüber hinaus auch landesweit von Interesse sind. Zudem wollen wir das eine oder andere Mal vom biographischen Werdegang der Komponisten und den Umständen der Entstehung der Werke berichten. In Köln wurde Chormusik immer schon in verschiedenen Chorgemeinschaften gepflegt; wir beginnen hier mit dem Rheinischen Kammerchor.

Stabat Mater – Kölner Philharmonie

Antonín Dvořák (1841–1904)
Stabat Mater op. 58 B 71, lateinische Sequenz (Hymnus) für Soli, Chor und Orchester,
Text: Überlieferung aus dem Mittelalter

Dirigent: Wolfgang Siegenbrink, Rheinischer Kammerchor, Bochumer Symphoniker
Solisten:
Melanie Maennl (Sopran), Rena Kleifeld (Alt), Markus Francke (Tenor), Thomas Laske (Baß)

UA: 23. Dezember 1877 Prag
Besuchte Aufführung: 28. Februar 2016

Antonín Dvořák
bevorzugte in seinem Schaffen symphonische und kammermusikalische Gattungen, so auch die Oper (Rusalka) und symphonische Werke (u.a. Aus der Neuen Welt). Mit seinen Kompositionen bekam die Tschechei eine nationale musikalische Identität. Er folgte damit Bedřich Smetana (1824-1884). Folkloristische Melodien charakterisieren seine Werke. Unbeirrt von ideologischen Strömungen ging er seinen eigenen Weg. Heimatliebe, Naturverbundenheit, tiefe Religiosität, aber ebenso berauschende Lebensfreude kommen in Dvořáks Werk zum Ausdruck. Von den großen Vokalwerken sind das Stabat mater und das Requiem bekannt.
Weitere Einzelheiten zur Geschichte des Oratoriums und zum Stabat mater finden Sie in Heft 2 OPERAPOINT, das am 2. Mai 2016 im Druck erscheint. Sie können das Heft beim Verein zur Pflege klass. Musik bestellen.
In seinem Stabat mater betont Dvořák vor allem das Chorische. Allein schon der ausgedehnte Chor zu Anfang zeigt dies durch seine Ausdehnung. Es ist ein Viertel der Gesamtlänge.

Struktur

Im ersten Teil imponiert ein markantes Hauptthema. Ein umfangreicher Mittelteil schließt sich an, gefolgt von einer Wiederholung des Anfangsteils (Reprise). Der Satz ähnelt dem Aufbau einer Symphonie. Während im Anfangschor alle Solisten auftreten, können sich in den nachfolgenden Sätzen die Solisten einzeln präsentieren. Es folgen, immer wieder vom Chor unterbrochen, zehn Sätze, ein Solisten-Quartett, Soli von Bass, Tenor, Sopran-Tenor (Duo), Alt. Der Abschluss des Hymnus bildet ein Quartett mit Chor. Im Verlauf hören wir einen Trauermarsch, eine Pastorale und zum Schluss ein monumentales Amen mit dem Motiv des Anfangschors. Der Komposition verleihen die immer wieder auftauchenden Reprisen der einzelnen Sätze sowie das Wiederauftreten des Anfangsmotivs im Schluß-Amen eine große Geschlossenheit.

Aufführung

Die Aufführung in der Kölner Philharmonie leitete Wolfgang Siegenbrink, Organist zweier Kölner Kirchen und seit 20 Jahren Dirigent des Rheinischen Kammerchors Köln. Siegenbrink hatte seinen Chor mit dem Berner Kammerchor, den Jörg Ritter einstudierte, ergänzt, und zwar sehr zum Vorteil der der gesamten Aufführung.
Beim mächtigen Eingangschor fielen sowohl die dynamische Führung als auch die gekonnt eingepassten Pianissimi vielversprechend auf. Alles passte sich – und das war des Dirigenten Verdienst – in den Ablauf des Orchesterparts gelungen ein. Jeder Solist hatte konnte sich darstellen, da Dvořák, ein hervorragender Kenner des Gesangs, für jeden Solisten dazu eine besondere Möglichkeit vorgesehen hat. Schon bei den solistischen Stellen im Eingangschor fiel die Homogenität im Zusammenspiel der Solisten mit dem großen Chor auf. Durch den im Programmheft erfreulicherweise wiedergegebenen Text in lateinischer und deutscher Sprache war es für die Zuhörer ein Leichtes, dem Verlauf ohne Anstrengung zu folgen.
Im Quartett nach dem Eröffnungschor konnte man das Zusammenspiel der Solisten untereinander gut verfolgen. Zunächst fiel bei allen Solisten die klare Aussprache des Textes auf. Weiterhin war das Zusammensingen makellos, zumal die Stimmen im Timbre gut zusammenpassten. Im vierten Satz hatte der Bass das Solo. Hier bewährte sich der Bassist des Abends Thomas Laske über die Maßen gut. Mühelos bewältigte er die Höhen, rund kamen die Tiefen. Das anfängliche Vibrato vermied er bald, so dass sein Gesang sich auch verhalten in den immer wieder eingestreuten vierstimmigen Chorgesang einbettete.
Mit wiegendem pastoralem, sattem Orchesterklang verabschiedete sich der Chor (Nr. 5) in die Pause, was die Zuhörer mit dankbarem Applaus quittierten.
Mit klarer, heller Tenorstimme meldete sich Markus Francke mit Fac me vere tecum flere – laß mich wahrhaft mit dir [Maria] weinen im sechsten Stück für Tenor und Chor zurück, wobei das Sanfte seiner Stimme uns alle für ihn einnahm. Die in der Tat bezaubernde Komposition vermittelt ja durch die schlichte, ja fast fromme Melodieführung und den Wechselgesang von Tenor und Chor eine große Intimität, der kaum ein Musikliebhaber widerstehen kann. Es folgt ein Duett von Sopran und Tenor, wobei Dvořák die beiden Stimmen ganz als Person damit charakterisiert, Maria in ihrem Schmerz unter dem Kreuz anzuschauen. Die Verse, die der Tenor singt, hat Dvořák eigenmächtig gegenüber dem üblichen Stabat-Mater Text verändert, was ihnen eine sehr persönliche Färbung verleiht. Melanie Maennl besitzt eine klare Sopranstimme. Leider muss sie sich bei den Höhen ziemlich anstrengen. Ihre Piani sind ausgewogen, doch wenn sie ins Forte gelangt, wird ihre Stimme metallisch-farblos. Im Duett gelingt ihr der gemeinsame Gesang ausgewogen.
Zuletzt gestaltet Rena Kleifelds biegsamer Alt mit Energie die Worte Fac me cruce custodiri – mach, daß mich sein Kreuz bewache (9. Stück). Es ist eine elegant anmutende Komposition mit dem dreimal wiederholten Anfangsmotiv. Dabei fällt auf, dass die oft ziemlich tiefe Stimmführung der Altistin über die Maßen gut rund und wohltönend gelingt. Manchmal übertönt das Orchester diese Stellen, doch ist das, aufs Ganze gesehen, erträglich. Schließlich dann ein Quartett mit Chor mit Amen als genialem Schluss.
Es war ein Konzert von hohem Niveau aller Beteiligten, das auch so gut in den jetzigen kirchlichen Jahresabschnitt gehört. Nicht enden wollender Beifall der begeisterten Zuhörer.
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    Foto: Nils Heider

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