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Sonntag 20. Januar 2019 11 Uhr
in der Kölner Philharmonie

Felix Mendelssohn Bartholdy

Sinfonie Nr. 2 "Lobgesang"
op. 52

Die erste Walpurgisnacht
op. 60
Vertonung einer Ballade von Johann Wolfgang Goethe

Annabelle Heinen, Sopran • Rena Kleifeld, Alt • Markus Francke, Tenor • Heikki Kilpeläinen Bariton
Rheinischer Kammerchor Köln • Berner Kammerchor (Einstudierung: Jörg Ritter)
Detmolder Kammerorchester
Wolfgang Siegenbrink, Dirigent
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Foto: Sonja Groß
Kritik in der digitalen Ausgabe des Kölner Stadtanzeigers:

Rheinischer Kammerchor Köln mit Mendelssohn Bartholdys Lobgesang
Opfer des eigenen Hexenglaubens
VON MARIANNE KIERSPEL

Zum Leipziger Gutenbergfest 1840 schrieb Felix Mendelssohn Bartholdy die große Sinfonie-Kantate „Lobgesang“ für Chor und Orchester. Der Text aus Bibel- und Liedversen hebt die Begriffe Dunkelheit und Licht hervor. Den Kontrast setzt die Musik immer neu bildhaft um. Damit preist der „Lobgesang“ Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks, aber auch die Befreiung durch den christlichen Glauben.

In der Philharmonie leitete Wolfgang Siegenbrink das Werk als überschwängliche, bisweilen auch massive Festmusik mit dem Rheinischen Kammerchor, Berner Kammerchor und Detmolder Kammerorchester. Die Solisten (Annabelle Heinen, Rena Kleifeld und Markus Francke) gefielen besonders in den Duetten und in der Wächterszene.
In diesem Mendelssohn-Programm folgte auf den Festakt ein frisches Satyrspiel, „Die erste Walpurgisnacht“ auf eine Ballade von Goethe. Hier war der Chor deutlich kleiner besetzt und sang entschieden wendiger. Goethe spottet über „Pfaffenchristen“, die den „Druiden“ ihre Bräuche austreiben wollen, dabei aber ihrem eigenen Hexenglauben zum Opfer fallen. Siegenbrink feuerte nun den Auswahlchor mächtig an, es wurde reiner gesungen, klarer artikuliert und lebhaft gespielt. So beleuchtete die Ballade den Kampf der „Heiden“ und ihres Priesters (Bariton Heikki Kilpeläinen) für ihre heilige Tradition. Sie schlagen ihre Verfolger listig mit einem witzigen Teufelsspuk in die Flucht. Damit waren die „Druiden“ in dieser Matinee die Überzeugendsten. Riesiger Beifall.
Kritik der Kölnischen Rundschau

Gelungener Auftritt des Rheinischen Kammerchors in der Philharmonie


Goethe hatte ein langes Leben — um aber in den Genuss seiner von Mendelssohn Bartholdy vertonten Ballade „Die erste Walpurgisnacht“ (op. 52) zu kommen, war es zehn Monate zu kurz: Die erste Fassung wurde Anfang 1833 uraufgeführt. Später erweiterte der Komponist sein Werk, das jetzt in der etwa zur Hälfte besetzten Philharmonie das weltliche Gegenstück zum geistlichen „Lobgesang“ (op. 60) bildete.
Wolfgang Siegenbrink dirigierte mit Leidenschaft und großer Hingabe das sehr gut aufgestellte Detmolder Kammerorchester sowie den Rheinischen Kammerchor Köln und den Berner Kammerchor. Das Ensemble findet einen kraftvollen Einstieg und immer wieder spielerisch leicht anmutende Übergänge beim Wechsel von Tempo und Ausdruck.

Unbeschwert heiter und zauberhaft natürlich interpretiert das junge Orchester die rasch ineinandergreifenden Sätze und bereitet sinfonisch dem Lobgesang des klangmächtigen Chors und der Solisten den Boden.
Sopranistin Annabelle Heinen eröffnet — im feinen Wechselgesang mit dem Chor — den Vokalpart; Tenor Markus Francke überzeugt beim klar vorgebrachten Rezitativ und der Arie.
Besonders schön klingt das von Heinen und Rena Kleifeld (Alt) dargebotene, im Werk zentral stehende Duett.
In Umfang, Intensität und auch Bekanntheit fällt die „Walpurgisnacht“ ab, stellt aber als „heidnische Brauchtumspflege“ einen interessanten Gegensatz dar. Viel Applaus gab es für beide Teile, für den mit Goethe etwas mehr. (msc)