Konzerte zum Totensonntag 2000

Samstag, 25. November 2000 in St. Aposteln, Köln

Sonntag, 26. November 2000 in St. Remigius, Bonn

Brahms »Begräbnisgesang«
Hindemith »Trauermusik«
Mozart »Requiem«

Silke Stapf, Marion Steingötter,
Andreas Winkler, Carl Kaiser
Rheinischer Kammerchor Köln
Neues Rheinisches Kammerorchester
Leitung: Wolfgang Siegenbrink


Kritik Kölner Stadtanzeiger
Kritik Kölnische Rundschau
Kritik Bonner General-Anzeiger

Der Kölner Stadtanzeiger berichtete am 28.11.2000:

Requiem in St. Aposteln

Was ein Kirchenraum der Musik an Aura schenkt, nimmt er ihr an Struktur wieder weg. Diese Erfahrung musste man auch in St. Aposteln machen, wo Rheinischer Kammerchor und Neues Rheinisches Kammerorchester unter Wolfgang Siegenbrink ein sehr würdiges Konzert zum Totensonntag gaben: Aus dem alles überlappenden Nachhall erhoben sich, zumal in den polyphonen Partien des Mozart-Requiems, vereinzelt nur markante Themenköpfe aus dem Töneschwall.

Im Chor wurde dennoch deutlich, wie sorgfältig einstudiert worden ist, welch gutes Material es gibt, welch Enthusiasmus herrscht: Ein Crescendo in Brahms' "Begräbnisgesang" strahlte enorm. Die Instrumentalisten (Hindemiths "Trauermusik" als Interludium) wirkten ordentlich; von den Vokalsolisten schlug der Tenor Andreas Winkler die Damen Silke Stapf und Marion Steingötter nur knapp. (gb)


Kritik Kölnische Rundschau
Kritik Bonner General-Anzeiger
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Die Kölnische Rundschau berichtete am 28.11.2000:

Konzert zum Totensonntag in St. Aposteln

Im milden Glanz quoll keine Träne

Von Volker Fries

Während die Philharmonie mit Bach frohlockte, warf in St. Aposteln der Totensonntag mit dem Rheinischen Kammerchor Köln und dem Neuen Rheinischen Kammerorchester erst noch seine düsteren Schatten voraus: Ein "Begräbnisgesang" von Brahms (op. 13), eine Trauermusik von Hindemith und schließlich Mozarts berühmtes "Requiem". Dennoch quoll keine Träne, weil Dirigent Wolfgang Siegenbrink transparent, stilkundig und unter Verzicht auf Pomp und Pathos singen und musizieren ließ.

Glich allein schon die Auswahl des frühen, fast nie zu hörenden Brahms-Opus' (dem Titel zum Trotz) eher einer Ausgrabung, so wurde sie dank der klaren, schlackenlosen Interpretation des Chores vollends zur Wiederbelebung. Im Orchester sorgten die Hörner sogar für erwärmenden, milden Glanz. Bei Hindemith zog sich der Chor dann kurz ins Seitenschiff zurück. So ganz allein gelassen, ging Siegenbrink mit den Streichern und Theo Lenzen als solidem Bratschensolisten vielleicht eine Spur zu vorsichtig um. Etwas mehr Espressivo und kräftigere Farben wären bei dieser in nur sechs Stunden in England (anlässlich des plötzlichen Ablebens von King George V.) komponierten Ode wohl kein Sakrileg gewesen.

Gleichwohl erwies sich auch diese spontane Hindemith-Eingebung als musikalisch reizvolle und nicht allzu schwer verdauliche Bereicherung. Bei Mozart war dann im Umgang mit der halligen Akustik Siegenbrinks Maßarbeit bei Tempowahl und Ausdrucksintensität unbedingt angebracht. Der Chor behielt auch während der kniffligen Fugenpartien bewundernswert die Übersicht und sorgte durchweg mit höchster Konzentration für klare Linien, Sopran-Angststellen in höchster Lage, wie etwa das "Salva Me", meisterten die Damen des immerhin gut 50köpfigen "Kammerchores" lupenrein.

Das junge Solistenquartett mit Silke Stapf (Sopran), Marion Steingötter (Alt), Andreas Winkler (Tenor) und Carl Kaiser (Bass) leistete durchweg Respektables. Die in Kölner Meisterklassen geschulten Stimmen fügten sich geschliffen der souveränen, an historischer Interpretationspraxis orientierten Feinzeichnung des Dirigenten.

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Bonner Generalanzeiger, 28.11.2000

Besinnliches in Kirchen

REMIGIUS-KIRCHE

Trauermusik von höchst unterschiedlicher Klangwirkung war im Konzert des Rheinischen Kammerchors in der St. Remigius-Kirche zu hören. Am letzten Sonntag im Kirchenjahr erklangen neben Mozarts Requiem der "Begräbnisgesang" von Brahms und die "Trauermusik" von Paul Hindemith. Das Kölner Ensemble bot unter der Leitung von Wolfgang Siegenbrink differenzierte Interpretationen dieser Werke. So beeindruckte der Chor in der frühen Brahms-Komposition mit einem Klang voller Transparenz, Leuchtkraft und Farbigkeit.

Die mit Brahms geweckten Erwartungen erfüllte der Chor im Hauptwerk des Konzerts, dem Mozart-Requiem, nicht immer. Zwar überzeugte das Ensemble auch hier wieder mit jugendlich-dynamischer Durchschlagskraft, ließ im Ausdruck jedoch bisweilen ein gewisses Maß an Fantasie vermissen. Vielleicht war dies auch eine Folge der von Siegenbrink sehr entschlossen gewählten, extremen Tempi.

Beeindruckend agierte das Solistenquartett; während Silke Stapf, Sopran, und Marion Steingötter, Alt, ihre Qualitäten eher im Lyrischen bewiesen, zeigten Tenor Andreas Winkler und Bass Carl Kaiser Sinn für dramatische Passagen.

Eine solide Leistung bot das Neue Rheinische Kammerorchester mit wohldosierter Dynamik im Zusammenspiel mit dem Chor und sanft pastosem Klangbild in der "Trauermusik" für Viola und Orchester von Hindemith, zu der Theo Lenzen ein mit sanftem Schwung gestaltetes Solo beitrug.

Robert Fontani

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